Hufpflege

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Gesunde Hufe sind die Basis für ein gesundes Pferdeleben, denn es gilt wahrhaftig: Ohne Huf kein Pferd. Aber was sind eigentlich die Kriterien, um einen funktionstüchtigen und physiologisch aktiven Huf zu bekommen oder diesen zu erhalten?

Die Hufbearbeitung trägt tatsächlich nur einen kleinen Teil zur Hufgesundheit bei, dennoch ist es enorm wichtig, dass die Bearbeitungsweise sehr gut und im Sinne des Hufes durchgeführt wird. Viel mehr spielen aber Faktoren wie Haltung, Ernährung und Training eine Rolle, denn der Huf ist ein lebendes Organ und wird viel mehr von seinen alltäglichen Reizen geformt als von einem Hufbearbeitungstermin im 4-6-wöchigen Rhythmus.

Liegen Hufpathologien vor ist es somit auch Aufgabe des Pferdebesitzers, aktiv mit auf die Suche zu gehen, wo die Probleme ihre Ursache haben können und was neben kurzen Bearbeitungsabständen zur Hufversorgung zu einer Verbesserung führen kann. Kenntnisse über gute Hufbearbeitung geben hier bereits viel Aufschluss darüber, welche Unstimmigkeiten im Pferdekörper oder im Lebensumfeld vorliegen können.

Physiologisch gesunde Hufe sind eine wichtige Funktionseinheit der Gliedmaße und spielen eine übergeordnete Rolle in der gesamten Biomechanik des Pferdes. Denn nur wenn die Hufe in Ordnung sind, kann auch der restliche Bewegungsapparat funktionstüchtig arbeiten. Deswegen ist es bei der Hufbearbeitung sehr wichtig, den Huf als Ganzes zu verstehen und mit dem restlichen Körper im Einklang zu betrachten.

Die negative Wirkung von Eisenbeschlag

In einigen Fällen ist vorübergehend ein permanenter Hufschutz unumgänglich und macht vieles einfacher. In vielen Fällen ist ein Beschlag jedoch eine faule Lösung für den Pferdebesitzer. Hufe sind unfassbar spannend, sie sind ein enorm wichtiges Tastorgan für das Pferd und spiegeln stark den gesundheitlichen Zustand des Pferdes wider. Auch ich greife auf die innovative Entwicklung von Klebebeschlägen zurück und versuche so manches Mal, eine findige Lösung für einen nachhaltigen Therapieerfolg zu finden. Auch wenn sich die heutigen Alternativbeschläge und Klebevarianten stetig weiterentwickeln sind sie doch weitaus aufwendiger als ein herkömmlicher Eisenbeschlag zum Aufnageln.

Fällt die Entscheidung auf einen herkömmlichen Eisenbeschlag, so sollte der Pferdebesitzer sich auch bewusst machen, inwieweit er in die Biomechanik des Pferdes eingreift:

Das Herz des Pferdes ist im Vergleich zur Körpergröße relativ klein, daher ist es auf die Unterstützung gesunder Hufe angewiesen. Hier gibt es auch den Ausspruch der „5 Pferdeherzen“. Die Funktionalität eines gesunden Hufmechanismus ist daher essentiell, denn dieser sorgt durch das Weiten der Hufkapsel im Belastungsmoment, sowohl für die Durchblutung der Hufe und der unteren Gliedmaßenbereiche, als auch für das Zurückpumpen des Blutes zur Körpermitte durch die Rückkehr zur normalen Hufgröße im Entlastungsmoment. Durch einen Eisenbeschlag wird der Hufmechanismus in seiner Bewegungsmöglichkeit nahezu vollständig eingeschränkt, dies führt zu mangelnder Durchblutung der unteren Gliedmaße und in Folge zu schlecht versorgten Strukturen – hierzu zählen neben schlechter Hornqualität auch alle anderen Körperstrukturen in diesem Bereich wie Sehnen und Bänder. Das Herz wird nun übermäßig belastet, da es entgegen der Schwerkraft und ohne Hilfe das Blut zur Körpermitte pumpen muss.

Erhält das Pferd einen Hufschutz in Form eines Eisenbeschlags so reduziert sich die natürliche Stoßdämpfung des Hufes um nahezu 60-80 %! Hierdurch werden im Auffußungsmoment verstärkt die Bodenkräfte in Form von Erschütterungen in die Gliedmaße eingeleitet. Das Pferd besitzt aufgrund seiner Anatomie einen ausgeklügelten Mechanismus, um Stöße und Erschütterungen beim Auffußen abzupuffern und die Hufe sind hierbei die erste Instanz. Kräfte, die vom Huf nicht aufgefangen werden können aufgrund von Eisenbeschlag oder anderen Pathologien, werden direkt in die weiter oben liegenden Systeme der Stoßdämpfung eingeleitet. Diese Strukturen werden nun verstärkt belastet, da sie nicht für eine permanent erhöhte Krafteinleitung ausgelegt sind.

Neben der reduzierten Stoßdämpfung spielt auch die Eigenschwingung des Eisens eine nicht unerhebliche Rolle. Das Eisen leitet zusätzlich eine Schwingung von etwa 80 Hertz in die Gliedmaße ein, so dass hier ein weiterer negativer Input gegeben ist.
Bei der vorführenden Schwebephase kommt es aufgrund des Eigengewichts des Eisens zur Entstehung von Fliehkräften, welche unmittelbar die Weichteilstrukturen der Gliedmaße wie Sehnen und Bänder beanspruchen. Auch hier gilt, dass diese Strukturen anatomisch nicht dauerhaft für solche Kräfte ausgelegt sind.
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